Ich werde häufig gefragt, wie ich meine Hunde erzogen habe. Was sie alles können, ob sie immer und überall 100%ig funktionieren.

 

Nein, das tun sie nicht. Ich übrigens auch nicht.

 

Es sind Lebewesen und da gibt es kein 100%. Man sollte sich von diesem Anspruch auch frei machen. Ich habe gute und schlechte Tage und ich wette - Ihnen geht es genauso! Niemand kann jeden Tag 100% abliefern und dieses Streben nach Perfektion ist einer der Gründe, warum so viele Menschen krank werden.

 

Ich habe auch kein festes Konzept, nachdem ich jeden Hund erziehe. Das kann gar nicht funktionieren. Jeder Hund hat andere Vorzüge und lässt sich anders motivieren. Wichtig ist es zu erkennen: womit kann ich genau diesen Hund motivieren? Wie arbeite ich  mit diesem Hund zusammen? Und auch - wie arbeite ich mit genau diesem Menschen zusammen? Denn auch Menschen lassen sich nicht in eine Schablone pressen.

 

Lenken und Grenzen setzen ist das Zauberwort. Die Mitarbeit gewinnen und ein Team werden.

 

Das Leben mit Ihrem Hund findet nicht auf dem Hundeplatz statt, das findet jeden Tag überall statt und so muss der Hund auch immer und überall erzogen werden.

 

Damit eine Übung sitzt - immer und überall - braucht ein Hund mindestens 1000 bis 3000 Wiederholungen. Es geht hierbei nicht darum, dass der Junghund nach ein paar Wiederholungen weiß, dass er sich setzt, wenn der Finger oben ist und das Leckerchen zu sehen ist. Nur weil er weiß, im Wohnzimmer mit Teppich unterm Po und Finger oben und Leckerchen ist es ein Sitz, macht er noch lange kein Sitz, wenn Sie weiter entfernt sind oder der Nachbarhund bellt - für solche Fälle braucht es Training.  Rechnen Sie aus, wie lange Sie zur Hundeschule gehen müssen, damit Sie auf eine solche Wiederholungszahl kommen. Das bedeutet, dass die Übungen in unseren Alltag integriert werden müssen.

 

Nicht für die Schule, sondern für das Leben lernen wir.

 

Das gilt auch für Hunde. Wir lernen nicht für einen Hundeplatz - wir lernen für die echte Welt da draußen. Und das mit Spaß und Freude - als Team.

 

Das A und O ist dabei eine vertrauensvolle Bindung zu ihrem Hund. Ein Hund, der ihnen vertraut und sich auf ihr Urteil verlässt, der wird Ihnen bereitwillig folgen. Der geht mit Ihnen durch dick und dünn.

 

Ich möchte, dass Sie Ihren Hund verstehen, dass Sie seine Körpersprache und seinen Ausdruck lesen können, denn nur wenn Sie verstehen, wie es ihrem Hund in dieser Situation geht, werden Sie adäquat reagieren können.

 

Unsere Hunde lesen uns den ganzen Tag, sie sind sehr gute Beobachter, sie erfassen Stimmungen sofort - sie lernen sogar einen Teil unserer Sprache und ich denke, wir sollten es genauso machen und ein bisschen "hundisch" lernen.